Ehingens OB Baumann appelliert: „Bleibt zuhause“

Das Coronavirus ist nun endgültig in Ehingen angekommen. Zwei von 18 untersuchten Menschen wurden positiv getestet, bei Dreien steht das Ergebnis noch aus. SZ-Redaktionsleiter Tobias Götz hat sich mit Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann über die Krise und die Situation in Ehingen unterhalten.

Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann erklärt die Corona-Lage in der Großen Kreisstadt. (Foto: SZ-archiv Götz)

Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann erklärt die Corona-Lage in der Großen Kreisstadt. (Foto: SZ-archiv Götz)

 

Herr Baumann, wie geht es Ihnen?

Körperlich gut. Wir sehen uns gerade, wie viele andere auch, mit einer außerordentlichen Situation konfrontiert, die wir so noch nie hatten.

Wie ist der Stand der Dinge in Ehingen?

Bisher wurden in Ehingen Stand Donnerstagmorgen 18 Personen getestet, zwei davon sind infiziert, bei Dreien steht das Ergebnis noch nicht fest. Alle sind natürlich in Quarantäne.

Wie erfahren Sie von solchen Fällen?

Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsamt, die uns von den Fällen in Kenntnis setzen. Wir als Ortspolizeibehörde verfügen dann die notwendigen Maßnahmen durch unser Ordnungsamt und stellen sie den Betroffenen zu. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts werden durch weitere aus dem Haus unterstützt.

Wie schätzen Sie die Lage ein?

Naja, diese bisherigen Fälle hören sich nach wenig an. Wir wissen aber alle, dass die Kurve sehr steil nach oben geht, das erleben wir auch bei uns. Wir haben momentan bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, deswegen gleich mein Appell an dieser Stelle: Vermeiden Sie unnötige Kontakte, bleiben Sie zuhause.

Leider gibt es auch in Ehingen Menschen, die alles nicht so ernst nehmen.

Das stimmt leider. Wir machen andererseits aber auch die Erfahrung, dass es ein hohes Maß an sozialer Kontrolle gibt. Besorgte Personen melden sich beispielsweise bei uns, wenn jemand sich nicht an die Vorgaben hält. Die Stadtverwaltung patrouilliert aber nicht herum und kontrolliert die Spielplätze. Das können wir auch gar nicht leisten. Zur Verdeutlichung der Appelle werden wir viele öffentliche Flächen, wie Spielplätze, mit Verbotsschildern ausstatten.

Täglich tagt der Krisenstab der Stadt . Was besprechen Sie da alles?

Seit Beginn der Krise haben wir eine tägliche Sitzung in einer sehr effizienten Arbeitsgruppe. Wir beraten die Maßnahmen, die nach außen wirken, aber auch, wie wir uns als Verwaltung organisieren. Wir besprechen die Umsetzung der Maßnahmen, die sich aus der Corona-Verordnung ergeben, erlassen die Verfügungen und entscheiden über das Vorgehen in vielen einzelnen Bereichen. Dazu gehört auch, dass unser städtischer Betrieb gewährleistet wird und unsere Mitarbeiter geschützt sind.

Können Sie hier Beispiele nennen?

Wir haben zum Beispiel darauf geachtet, dass die Mitarbeiter der Kläranlage und der Wasserversorgung in zwei voneinander unabhängigen Teams arbeiten. Eine solche Trennung der Teams haben wir auch in anderen Bereichen. Zudem entzerren wir unsere Mitarbeiter, indem wir sie auf andere Arbeitsplätze verteilen. So haben wir auch in den Ortsverwaltungen Arbeitsplätze eingerichtet, auch die Stadtkasse, die wichtige Zahlungen erledigen muss, arbeitet in Zweierteams.

Die Sitzung des Gemeinderats ist abgesagt und kann in absehbarer Zeit auch nicht nachgeholt werden. Wie werden wichtige Entscheidungen, zum Beispiel bei der Vergabe von Aufträgen, nun bearbeitet?

Die Gemeindeordnung hat dafür Regeln. Bei einfachen Sachverhalten von wenig Tragweite kann das im schriftlichen Umlaufverfahren erfolgen. In dringenden Angelegenheiten des Gemeinderats oder eines Ausschusses habe ich als Oberbürgermeister die Möglichkeit der Eilentscheidung. Unsere Vergabe-Entscheidungen, die wichtig sind, werde ich nun in Absprache mit den Fraktionen treffen. Was im Wege der Eilentscheidung nicht möglich ist, sind beispielsweise Beschlüsse in einem Bebauungsplanverfahren. Wichtig ist mir hier aber zu betonen, dass meine Mitarbeiter weiterhin an den einzelnen laufenden Verfahren arbeiten.

Gibt es viele Menschen, die bei der Stadt anrufen, und um Rat fragen?

Ja. Wir haben derzeit viele Nachfragen. Das geht von banalen Fragen bis zu existenziellen Themen, die beispielsweise den Handel betreffen. Betriebe rufen uns an und fragen, ob sie weiterarbeiten dürfen oder unter die Schutzverordnung fallen. Hier können wir den Einzelnen dann auch Auskunft erteilen. Wichtig ist mir zu betonen, dass normale Handwerker und Dienstleister weiterarbeiten dürfen.

Die wirtschaftlichen Folgen der Krise sind nicht einmal ansatzweise absehbar. Haben Sie als Stadt hier auch Stellschrauben?

Sicher ist, dass die wirtschaftlichen Folgen erheblich sein werden. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Bund und Länder Soforthilfen zur Verfügung stellen. Auf die Frage, ob wir als Stadt was tun können, kann ich nur sagen, dass hier ein Flickenteppich an Maßnahmen keinen Sinn macht. Wir alle sind gut beraten, wenn wir zunächst die Maßnahmen des Staates abwarten.

Sie sind nicht nur Oberbürgermeister Ehingens, sondern auch Kreisrat. Wie beurteilen Sie die medizinische Versorgung durch die Kliniken?

Wir sind in Ehingen und dem Alb-Donau-Kreis gut aufgestellt. Die Kliniken bereiten sich intensiv auf mehr Fälle vor, ich stehe hier auch in einem guten Informationsaustausch mit den Beteiligten. Gerade in einer solchen Situation zeigt es sich, dass die gute Zusammenarbeit mit dem Kreis sehr wichtig ist.

Es gibt mittlerweile viele Menschen, die durch Einkaufshilfen oder ähnliches anderen helfen. Natürlich auch in Ehingen.

Und diese Bereitschaft, anderen zu helfen, ist ein sehr positiver Aspekt. Ich habe eine Mitarbeiterin beauftragt, diese Hilfsangebote zu koordinieren und über die Homepage der Lokalen Agenda und der Stadtverwaltung zu vermitteln. Die Solidarität in diesen Zeiten ist groß. Das freut mich sehr.

Wie sieht derzeit ein „normaler“ Arbeitstag bei Ihnen aus?

Es gibt derzeit keinen normalen Tag. Im Prinzip beschäftige ich mich von morgens bis abends mit Corona und den Auswirkungen auf unsere Heimat. Zur Vermeidung direkter Kontakte habe ich alle Termine mit persönlichen Besuchen in telefonische oder andere digitale Begegnungen umgewandelt.

Gibt es Bürger, die unbedingt Behördengänge machen wollen?

Ja. Manche klopfen sogar an unsere Scheiben. Aber das Rathaus bleibt zu, wir lassen niemand ins Haus, ohne telefonische Terminvereinbarung. Die Menschen sollten sich schon überlegen, welche Behördengänge unbedingt notwendig sind.

Herr Baumann, welchen Ratschlag haben Sie an Ihre Mitbürger?

Ich kann mich hier nur der Kanzlerin anschließen. Bleiben Sie zuhause. Wenn das nicht geschieht, wird der Staat seine Maßnahmen verschärfen, was eine Ausgangssperre bedeuten könnte. Es hängt also von jedem einzelnen von uns ab. Ich werde in diesem Zuge auch Plakate in die City-Light-Aufsteller in Ehingen machen lassen. Und der Appell ist unterm Strich ganz einfach: Bleibt zuhause.

 

Quelle: Ehingens OB Baumann appelliert: „Bleibt zuhause“

(SZ – Tobias Götz – 19. März 2020)