Chance und Herausforderung

Im Businesspark in Ehingen geht es am Mittwochnachmittag um Digitalisierung in all ihren Facetten.

Mit der Digitalisierung klarkommen, mit der Digitalisierung vorankommen – wie das gelingen kann, darum ging es am Mittwochnachmittag im Businesspark Ehingen. Seit Anfang Mai sitzt dort das Digitalisierungszentrum Ulm, Alb-Donau, Biberach. Nun hat es in Zusammenarbeit mit dem Ettlinger Unternehmen Erdgas Südwest zu der Veranstaltung „Hubraum digital“ eingeladen. Kernthema der Veranstaltung war, wie der Name sagt, die Digitalisierung.

Grundsätzlich ging es darum, wie der Mittelstand im Südwesten an der technologischen Spitze bleiben kann und wie die Mitarbeiter in den Unternehmen bestmöglich auf ihre neue Aufgaben vorbereitet werden können, die mit der Digitalisierung einhergehen.

Diskutiert wurde aber auch über die Schattenseiten der Digitalisierung, welche Gefahren sie birgt und wie sicher IT-Systeme überhaupt sind. Zu Gast waren rund 30 Teilnehmer, allesamt aus regionalen Unternehmen im Umkreis von 50 Kilometern um Ehingen.

Im Vorfeld der Eröffnungsrede erzählte der Leiter des Digitalisierungszentrums, Alexander Nikolaus, von den Zielen des sogenannten „Digital Hubs“. Der Fokus liege auf kleinen und mittelständischen Unternehmen. „Wir wollen ihnen helfen, mit der Digitalisierung zurechtzukommen“, sagte er.

Die Angebote des Hubs seien überwiegend kostenlos, das mache eine Förderung des Digitalisierungszentrums durch das Land Baden-Württemberg möglich. Für Unternehmer gebe es dadurch die Möglichkeit, zu kostenfreien Sprechstunden zu kommen, um sich zum Beispiel über das Thema Recht und Datenschutz zu informieren.

Dazu gibt es Angebote wie den Digital – Check. „Da wird das Unternehmen auf Herz und Nieren geprüft“, erklärte Nikolaus.

 

Zwei Seiten der Digitalisierung

Die Eröffnungsrede hielten Dieter Lagois, der Leiter der Strategie- und Digitalisierungsabteilung bei Erdgas Südwest, und Florian Schraepler, der Projektleiter des Businessparks. Letzterer zeigte sich stolz auf die Entwicklung seines Hauses. „Der Businesspark ist jetzt zu 90 Prozent belegt, das ist super“, sagte er. Lagois sagte, dass er beim Thema Digitalisierung grundsätzlich zwei Pole wahrnehme: Den, dass die Digitalisierung eine Chance sei und viele Möglichkeiten biete. Und den, dass man Angst vor den Herausforderungen habe, die mit der Digitalisierung einhergehen.

Aber: „Herausforderungen gibt es seit jeher und auch mit dieser werden wir klarkommen.“ Damit die Teilnehmer sich dem Thema annähern konnten, begrüßte Jörn Hendrik Ast vom Berliner Unternehmen „New Work Heroes“ sie mit einem Impulsvortrag über die Zukunft der Arbeit.

„Mir geht es vor allem um die Menschen, wie sie sich durch die Digitalisierung am Arbeitsplatz verändern“, sagte Ast. Es gebe vier Stufen: Die Angst vor der Veränderung, den Wandel mitmachen, Kämpfe ausfechten und am Ende die Lösung und die Frage, wie die Zukunft jetzt aussehe. Einen Rat gab der Berliner seinen Zuhörern mit auf den Weg: „Keine Leuchtturmprojekte“, mahnte er. Das spalte Teile einer Firma nur ab und bewirke keine Veränderung im ganzen Unternehmen. Ast fand auch sonst klare Worte: „Digitalisierung ist kein Zuckerschlecken, aber am Ende lohnt es sich.“

Nach den Vorträgen kamen die Teilnehmer an vier Thementischen zusammen, die von Paten moderiert wurden. Prof. Dr. Peter Weber von der Hochschule Fresenius sprach an seinem Tisch darüber, wie sie sich die Zukunft des Lernens wünschen. Thema bei Dorothee Barsch von Innosüd war, wie Start-Ups bei der Digitalisierung helfen können, Jürgen Franke von der EnBW war Pate für das Thema IT-Sicherheit und Sascha Kurfiss von XQ-Digital erarbeitete zusammen mit den Teilnehmern, wie Kollaborationen in Zeiten der Digitalisierung aussehen können. Dass die Teilnehmer selbst am Thema arbeiten, war gewollt: „Die Leute sollen selbst aktiv werden und herausfinden: was brennt ihnen unter den Nägeln?“, sagte Ingo Landthaler, Vertriebsleiter bei Erdgas Südwest.

Der 51-Jährige war maßgeblich daran beteiligt, dass die Kooperation zustande kam: „Erdgas Südwest ist groß in Oberschwaben. Und wir dachten, es wäre toll, mit unseren Kunden mal nicht über Kilowattstunden, sondern über Digitalisierung zu reden.“ Denn Erdgas Südwest sei genauso wie seine Kunden von dem Thema betroffen. Spannend an der Veranstaltung in Ehingen fand Landthaler die Heterogenität der Teilnehmer. Arbeitnehmer, Geschäftsführer, Vertriebsmitarbeiter und Professoren arbeiteten hier zusammen. „Alle sind verschieden weit, alle haben ein unterschiedliches Verständnis, keiner weiß genau, wo es hingeht – und das ist mal was Neues!“

 

Einer von zehn in Baden-Württemberg

Angebot

Das Digitalisierungszentrum Ulm, Alb-Donau, Biberach ist eines von zehn in Baden- Württemberg. Neben dem Standort in Ehingen gibt es Büros in Riedlingen und Biberach, momentan wird die Zentrale in Ulm im „Verschwörhaus“ am Weinhof eingerichtet. Unter dem Slogan „53 000 Unternehmen. 500 000 Einwohner. Eine Anlaufstelle in Digitalisierungsfragen“ gibt das Digitalisierungszentrum Hilfestellung in allen Themen rund um die Digitalisierung. Darunter die Bereiche E-Commerce, das Handeln im Internet, virtuelle Realität oder Building Information Modeling (BIM), die Bauwerksdatenmodellierung in 3D, die ein Objekt als virtuelles Modell darstellt.

Von Savannah Blank (SWP, 27.09.2019)